Thailand – alles sabai ?!

Km 8950 – Chiang Mai, Thailand
Autorin: Jana

CHIANG MAI

  • Wir haben beschlossen eine längere Radelpause einzulegen, länger an einem Ort zu bleiben. So fahren wir mit dem Nachtbus von der ersten thailändischen Stadt direkt nach Chiang Mai.
  • 20 Millionen Touristen reisen jährlich nach Thailand. Eine unvorstellbare Menschenmasse. Aufgrund der Unruhen Bangkok sollen es ca. 400.000 weniger sein. Also nur noch 19,6 Millionen – ein beruhigender Gedanke. Trotz der vielen Touris sind die Thais und die meisten Reisenden ganz „sabai“. Diese thailändische Vokabel ist ein Pflichtwort, will man dieses Volk verstehen. Es gibt keine direkte Übersetzung. „Sorglos“ oder besser „nicht so viele Probleme finden“ erklärt uns ein Expat, der hier vor 20 Jahren hängen geblieben ist.
  • Bei Quarks & Co (WDR) gab es eine schöne Sendung über Zeit. Trotz aller Technik, die uns hilft Zeit zu sparen (schnellere Autos, Computer, etc.), haben wir nicht mehr Zeit. Denn wir füllen die freigewordene Zeit mit weiteren Tätigkeiten – mit mehr. Nutzten wir früher eine Stunde um 60 km zu fahren, nutzen wir heute dieselbe Stunde, um 100 km zu fahren. So gewinnen wir evtl. 40 km, aber keine Zeit.
  • Hier könnte man sich die Frage nach seinen persönlichen Zielen stellen: was will ich? Eine mögliche Konsequenz: Ziele bewusst auswählen und reduzieren! Nicht auf allen Hochzeiten tanzen wollen. Wir haben nicht mehr Zeit, weil wir mehr Ziele haben bzw. mehr Ziele in den gleichen Zeitrahmen quetschen!

Chiang Mai

Und wie füllen wir unsere Zeit in Chiang Mai?

  • Für einen Monat werden wir das Chedi View-Guesthouse unser zu Hause nennen. Ein Geheimtipp, denn dieser ruhige, günstige Ort mit angenehmer Atmosphäre steht in keinem Reiseführer. Auch nicht im Internet. Hier wohnen wir viele gute Seelen, die ebenfalls dazu beitragen, das unsere Zeit in Chiang Mai geradezu verfliegt.
  • Im Chedi View treffen wir zum dritten Mal auf Maria & Zigor (zuvor: Teheran & Bishkek). Als ich einem komplett in weiß gekleidetem Herren auf weißem Fahrrad mit po-langen, weißen Dreadlocks hinterhergucke und lächle, sagt Zigor: „In Chiang Mai findest du alles!“ Wie Recht er hat.
  • Was wir vorher nicht wussten: Chiang Mai ist voll von Kursen, Workshops und „activities“. Ein Sammelbecken aller denkbar verschiedenen Menschen. So sind viele hier, um zu überwintern oder einen mehrwöchigen Yoga-, Thaimassage- oder Selbstfindungskurs zu belegen. Plus die Backpacker, Familien und Sextouristen. Hier gibt es tatsächlich alles.
  • Trotz so einiger Quacksalber (Verkäufer) und Verkorkster (Käufer) wollen wir nicht von vorn herein verurteilen. Wollen die Vielfalt der Welt anerkennen. Das Fremde nicht direkt bewerten, sondern zunächst akzeptieren und kennenlernen.
  • Ob Acroyoga, Jonglieren, African Dance, TRE (Tension Release Exercise), Osteo-Thai-Massage, normale Thai-Massage, Mantra-Singing, Chor, Muay Thai, buddhistische Meditation und vieles mehr. Wir sagen Ja und probieren aus. So lernen wir! Lernen beispielsweise über die Kritik am Yoga. Würde es man zu viel praktizieren, könnte man auf einen Ego-Trip abrutschen, weil man sich ständig nur noch mit sich selbst beschäftige. Bei zu viel Ehrgeiz und extremer Dehnung können Muskeln und Gelenke Schaden nehmen. Und: „Yoga is business“ gibt ein Insider zu.
  • Darüber hinaus probieren wir einen „Job“ zu kreieren, der mit uns reisen kann: So drucken wir Lesezeichen und verkaufen diese nach einer Präsentation über unsere Reise. Die ca. 50 gespannten Zuhörer bestärken uns mit viel positivem Feedback!
  • Oft verbringen wir jedoch auch Zeit mit Altbekanntem und hängen eine Slackline (von der Nachbarin geliehen) im nahe gelegenem Park auf.
  • Durch die Gespräche und das Ausprobieren haben wir mindestens eine Sache gelernt: ALLES ist Körperarbeit: ob Massage, Dehnen, Yoga, JiuJiutsu, Slacklinen oder Tanzen, ob Singen oder sich auf die Atmung beim Meditieren konzentrieren. All das beinhaltet eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Körper. Ein Streit darüber, welche Methode/Schule/Lehre die bessere sei, ist hinfällig – jeder darf selber entscheiden, was zu ihm passt.

chiang dao

ELTERNZEIT (Chiang Mai & Chiang Dao)

  • 10 Tage Besuch von Angela und Inno: Wir haben kein Programm und entscheiden spontan, wie wir unsere Zeit verbringen. Leider bin ich krank und so erkunden Alex, Angela und Inno zu dritt, was wir zu zweit in einem Monat Chiang Mai nicht geschafft haben: die 4 oder 5 Tempel um die Ecke.
  • Der Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten: Am „Chedi“-Tempel (dessen uralte Pagode man von unserem Guesthouse „Chedi View“ sehen kann) erfahren die drei im „monk chat“ mehr über den Buddhismus:
    • Inno: Warum sind manche Buddha-Figuren schlank sind und andere dick?
      Sieht man eine fettleibige Figur ist dies nicht Buddha, sondern einer seiner Jünger. Er war so hübsch, dass er ständig während seiner Meditation angesprochen wurde. So wünschte er sich dick zu sein, um ungestört meditieren zu können. Im chinesischen Buddhismus wird Buddha jedoch auch dick dargestellt.
  • Später in Chiang Dao – in einem abgelegenen Tempel von Dschungel umgeben– bekommen wir die drei Grundregeln des Buddhismus erklärt: tue Gutes, vermeide Böses, reinige deinen Geist (purify your mind). Es folgt eine Erläuterung der fünf Grundwerte Buddhas, mit denen allein sich das Leben meistern lässt: 1. Töte nicht 2. Stehle nicht 3. Habe keine unangemessenen sexuellen Beziehungen 4. Lüge nicht 5. Bleibe bei Bewusstsein (denn um den ersten vier Regeln zu folgen, brauchst man die volle Aufmerksamkeit). Diese Regeln schließen viel mit ein: Vegetarismus, Verbot von Fremdgehen & Pädophilie, nichts Schlechtes erzählen, keine Form von Drogen konsumieren. Für die Mönche gibt es insgesamt 277 Regeln.
  • Die gemeinsamen Tage ziehen vorüber. In Chiang Mai gehen wir noch zur Uni, zu verschiedenen Märkten (u.a. Warorot), zur Massage bei Phon und in viele Restaurants.
  • Während der fünf Tage in Chiang Dao sind wir mit dem Scooter unterwegs. Auf diesem Wege besuchen wir abgeschiedene Bergdörfer, essen auf einem Floß-Restaurant, wandern durch den Dschungel und baden nachts unterm Sternenhimmel in einer heißen Quelle. Als wir den großen Dienstagsmarkt erkunden, treffen wir Jürgen – einen Brot backenden Deutschen, der nach 15 Jahren Reisen hier hängen geblieben ist. Er gibt uns einen Tipp und so klettern wir kurze Zeit später auf versteckten, abgeschiedenen Wasserfällen.
  • Soweit unser „Programm“. Das eigentlich Wichtige war aber die gemeinsame Zeit, die Nähe und die Gespräche, die sich zwischendurch oder am Abend entwickelt haben. Wir sprechen über Ängste, die jeder Mutter bezüglich ihrer Kinder – vor allem derjenigen, die meinen mit dem Fahrrad um die Welt fahren zu müssen – natürlicherweise innewohnen. Und wir sprechen über Entwicklung (z.B. Abbau der Ängste) und den schönen Spruch „Gib den Kindern Wurzeln, wenn sie klein sind und Flügel, wenn sie groß sind.“ „Ihr setzt den Schwerpunkt anders, aber ihr scheint in euch zu ruhen“, sagt Inno. Das finden wir auch 😉

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

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