Malaysien (und Thailand) – per Anhalter zu Wasser und zu Land

Km 10435 – Langkawi, Malaysien

 

NEU! Es ist viel passiert und so haben wir stark gekürzt. Wer lieber die ursprüngliche, längere Blog-Version lesen möchte, kann uns eine Email senden und bekommt den detaillierteren Bericht.

LANGKAWI

  • Wir kommen abends in Kuah, der Hauptstadt Langkawis, an und finden das Haus von Jeff, unserem Gastgeber. Dies ist die nächste intensive Erfahrung, der nächste menschliche Mikrokosmos, in den wir eintauchen. Mit ihm leben sechs Hunde und 25 Katzen. Letztere kommen jedoch meist nur zum Essen und Trinken. Im Gegensatz dazu schlafen die Hunde größtenteils sogar mit ihm im gleichen Bett. Die Tiere sind sehr gut gepflegt und haben ein gutes Sozialverhalten. Jeff arbeitet als „pet sitter“, kümmert sich also um die Haustiere anderer. Jahrelang war er Buchhalter (Studium und Job in den USA, später in Malaysien). So hat er seinen Traum finanziert: „animal behaviour“ zu studieren. Wir lernen seine (zum Teil verängstigten) Fellfreunde kennen und quatschen bis spät in die Nacht, lauschen seinen Geschichten. Er redet viel, hat (aber auch) Spannendes erlebt.
  • Unter anderem erzählt uns Jeff die Geschichte wie er als Sanitäter und Teamleiter beim Tsunami 2004 in Aceh, Indonesien nach Überlebenden gesucht hat. Er erzählt von den einzelnen Schicksalen. Von einem alten Briten bis hin zu einem 10-jährigen indonesischem Kind. Insgesamt sechs Überlebende hat sein Team gefunden. Das sind sehr viele, andere Teams fanden niemanden. Nur Tote, überall Tote. Jeff bekommt ein Trauma, sieht immer wieder die Bilder der Leichen. Ein Jahr Psychotherapie hilft ihm, sich auf das Positive, auf die Rettung der Überlebenden zu konzentrieren. Zudem ist er weitestgehend in Kontakt mit den Geretteten geblieben. Als der alte Brite ein paar Jahre nach der Katastrophe starb, kam dessen Sohn zu Jeff nach Malaysien. Mit einem Koffer voller Geld: 50.000 Pound. Als Dankeschön für die Rettung. Jeff, der Unglaubliche, der Bescheidene lehnt ab – will das Geld nicht. Sondern bittet verschiedene NGOs (u.a. acht Hundeheime in Malaysien) zu unterstützen. Wie wunderbar!
  • So vergeht eine Woche in Langkawi. Auf dem Rückweg unserer Inselumrundung per Rad hatten wir bei allen drei Häfen Zettel aufgehängt. Darauf stand, dass wir ein Boot „hitchen“ wollen – egal wohin. Kurze Zeit später erhalten wir eine Email von Alasdair: er würde mit seinem Katamaran zurück nach Phuket, Thailand segeln. Wir dürfen mitkommen, wenn wir möchten, „at no cost except your travel stories“. Da sagen wir nicht nein.
wir haben Glueck: vom groessten Berg Langkawis aus koennen wir "hornbills" (Nashornvogel, Doppelhornvogel) beobachten, from the highest mountain Langkawis we are lucky and get to see hornbills

wir haben Glueck: vom groessten Berg Langkawis aus koennen wir „hornbills“ (Nashornvogel, Doppelhornvogel) beobachten, from the highest mountain Langkawis we are lucky and get to see hornbills

 

LANGKAWI – PHUKET (Thailand)

  • Mit Alisdair, seiner Freundin Katya und seinem Freund und Angestellten Steve geht’s am Tag vor der Abfahrt einkaufen und ausstempeln.
  • Das Boot von Alisdair ist ein 51 Fuß Katamaran mit dem Namen Mahayana: sechs Kabinen, ein riesiger „living room“ mit Küche, etc. Einfach ein krasses Boot – ohne Worte! Der Katamaran ankert in der Bucht und wir sitzen gemeinsam auf den Netzen, die zwischen den beiden Rümpfen gespannt sind. Die Sterne über uns, das Wasser unter uns. Desto länger wir die Jungs kennen, desto netter werden sie. Beide Jungs sind nach der Schule direkt in die Welt gestartet. Steve ist in Fiji gelandet, wo er viele Jahre für eine NGO (Unterwasserwelt-Forschung) gearbeitet hat. Der 27-jährige Alasdair sich hat auf Umwegen mit seinen selbst erarbeiteten Programmierfähigkeiten eine Firma aufgebaut. Er hat eine Nische gefunden und war klug genug, diese zu nutzen. Wir hatten ein „rich kid“ vermutet und haben ein „smart kid“ gefunden. Katya wird bis zum Ende schweigsam bleiben. Mit Vorfreude auf die neue Erfahrung krabbeln wir in unsere Koje!
  • An unserem ersten Tag auf See herrscht wenig Wind. Wir tuckern unter Motorengeräusch übers Meer. Alex ist schlecht und er muss sich übergeben. Wir verdächtigen das Abendessen vom Vortag. Am Tag passiert nicht viel: kein Segel wir gehisst, keine Leinen müssen gezogen, keine Kartoffeln geschält werden. Stimmt nicht ganz. Wir helfen in der Küche. Es bleibt viel Zeit zum Lesen und Musik hören. Abends sitzen wir an Deck und quatschen. Dieser grobe Ablauf gilt für die gesamten drei Tage auf See. In den nächsten Tagen gibt es mehr Wind und mehr Wellen – für Alex damit auch mehr Gefühl von Übelkeit.
  • Am zweiten Tag setzen wir beide Segel und fahren bis zu 10 Knoten (= ca. 10 km/h). Wir lernen – Segelboote sind extrem langsam. Am dritten Tag: Wind genau aus Fahrtrichtung & Wellen so hoch, dass das ganze Boot auf und ab geht, sich seitwärts hebt, in ein Tal von Wasser taucht und dann wieder kurzzeitig oben auf einer Welle schwebt. Alasdair lässt die Segel eingerollt, weil wir sonst noch stärker vom Wind rumgeschubst würden.
  • Es ist das Ankommen, die Abendstunden, die uns beeindrucken. Wir legen vor einer Insel an. Einfach irgendeine, unbewohnte Insel. Helle, einsame Strände, Wasser in verschiedenen Blau- und Türkisfarben. Das Ufer mit Strand ist in Schwimmdistanz. Schon springen wir ins Wasser mit Schnorchelausrüstung und Flossen, um die Korallenriffe, die zwischen Boot und Strand liegen, zu erkunden. Die Schorchelstunden werden zu einem echten Highlight. Nur wir, das Wasser, die Korallen und dazwischen die Lebewesen in Farben, die zum Teil unglaublich hell und unnatürlich wirken. Seesterne mit langen schwarzen Stacheln, violette Korallenschwülste und grotesk geformte Fische (Nemo, bunt leuchtend, gestreift – die pure Vielfalt!). Dazu das Wasser als völlig anderes Element. Hier atmen und sich bewegen – das ist aufregend anders als an Land.
  • An einem Boot gibt es ständig etwas zu reparieren, säubern, auszuwechseln. Die laufenden Kosten (schon allein das Gehalt von Steve) müssen enorm sein. Das ist sicher auch ein Grund, warum ein Schweizer im Royal Yacht Club meinte, das Fahrrad bedeute mehr Freiheit. Am letzten Tag bricht (aufgrund der vielen Wellen) einer der beiden Kräne an dem das Beiboot hängt fast aus seiner Verankerung. Alasdair löst das Problem sofort, zieht das Beiboot über den Mast nach oben und entlastet so den Kran. Sein Kommentar: „Solche Sachen passieren ständig“ und sein Fazit an uns: ‚Don’t buy a boat!‘ “

Ko Lipe

 

PHUKET (Thailand) – ALOR SETAR

  • Nach den drei Tagen auf offener See, werden wir zu Trampern. Am zweiten Tag, dann das Glück. Nach vielen kurzen Rides hält Poe für uns und bringt uns bis nach Pattalung – eine lange Strecke. Seit 23 Jahren nennt Poe Dänemark ihre ihre Heimat und besucht nun ihre thailändischen Eltern. Die Gutmütige versteht sofort, warum wir hitchen – „weil man nicht Land und Leute kennenlernt, wenn man nur im Hotel bleibt“. Endlich hat es jemand kapiert! Denn „Autostop“ ist weder in Thailand noch in Malaysien ein bekanntes Konzept. Trotzdem klappt das hitchen gut – auch wenn wir jedesmal erklären müssen, was wir machen und warum wir das besser finden als Bus fahren.
  • Ein „Welcome to Thailand!“ beim Einsteigen, je eine Mangosteen (siehe Photo) beim Aussteigen. Som Boon, ein Engel, der mit seiner asiatischen Hilfsbereitschaft keinen Raum für Bescheidenheit lässt, versteht es nicht: dass wir dorthin fahren, wohin er muss. Er bringt uns einfach zum nächsten Grenzübergang (unser Tagesziel) – Problem gelöst!

 

PENANG

  • Wir stehen an der Straße. Doch keiner hält bis wir ein Schild malen auf dem unser Ziel steht: Penang. Daraufhin hält Ibrahim. Der 35-jährige gehört zu den Malay. Sie bilden mit 65% die größte Bevölkerungsgruppe unter den Malaysiern. Daneben gibt es aber auch viele Chinesen (ca. 20-25%) und Inder (ca. 5-10%).
  • In Penang bekommen wir Besuch: Sylvain (Alex Mitbewohner in Mainz und Paris) und seine Freundin Alice verbringen ein paar Tage mit uns.
  • Gemeinsam erkunden wir die Altstadt von Georgetown: Englische Kolonialgebäude mit Street Art verschönert. Vor einem Tempel schauen wir einem Chinesen zu wie er Papier verbrennt. Er spricht uns an, plappert freudig drauf los. Das Verbrennen stellt eine Art Energietransfer dar. Energie von der Erde in den Himmel. Er sieht absolut kein Problem darin, dass jeder Mensch seiner eigenen Religion folgt. Denn im Himmel, so seine wunderbare Erklärung, leben alle Götter friedlich nebeneinander und haben eine gute Zeit. Eine Art Götter-Wohngemeinschaft. Ein schönes Bild, das er da malt. Der Taoist findet Religion sei nichts Schlechtes, denn sie gebe Halt im Leben. Zudem seien alle Religionen sehr ähnlich, z.B. wenn es darum geht, Nahrung nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Die Muslime feiern gerade Ramadan und auch andere Religionen kennen den Verzicht als Methode Wertschätzung zu lernen! Sein freundliches Lächeln und seine einfachen Worte haben auf einer kleinen Straße in Georgetown mal eben den Frieden zwischen den Religionen besiegelt!
  • Abends treffen wir Ru. Die 40-jährige ist auf Anhieb sympathisch, hat viel Energie und erzählt, wie sie mit ihrem Lebensstil (Reisende treffen & beherbergen) an die traditionellen Familiengrenzen stößt. Ihre Persönlichkeit verbindet auf interessante Weise eine jung gebliebene, weltgewandte und moderne Frau mit den Traditionen der chinesischen Hochkultur. Demnächst möchte sie in Taiwan den Bau eines alten chinesischen Holzinstrumentes erlernen. Wir schlemmen uns durch zwei food stalls (Ru erklärt uns alle lokalen Spezialitäten) und freuen uns sehr, dass wir Ru kennenlernen durften.

Penang

 

CAMERON HIGHLANDS

  • Weiterhin frankophon (mit Alice und Sylvain und einem Kanadier aus Quebec) erwandern wir den Trek Nr. 1 – durch den Dschungel, über große Wurzeln auf den Gipfel. Von dort wieder runter, durch moosbewachsene Wälder bis sich nach ein paar Kilometern ein Tal voller Teeplantagen vor uns erstreckt – grün so weit das Auge reicht. Abends spielen wir mit Alice und Sylvain noch eine Runde Karten bevor sich die zwei verabschieden. Schön wars mit den beiden: unkompliziert, lustig und aktiv.
  • Weiterhin Karten spielend verbringen wir meinen 31. Geburtstag. Diesmal mit Martin (mein ehemaliger Kommilitone, den wir schon in Thailand und Myanmar trafen), der (im Gegensatz zu uns) die Highlands mit dem Rad erklommen hat.

 

CAMERON HIGHLANDS – GAMBANG

  • Wieder per Anhalter und dennoch zwei Tage zu früh kommen wir in Gambang an: dem Ort, an dem unsere 10-tägige Vipassana-Meditation stattfinden wird – doch davon werden wir beim nächsten Mal berichten.

 

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

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