Malaysien II – Asiens Vielfalt in einem Land

Km 12012 – Padangbai, Indonesien

GAMBANG – LANGKAWI

  • Nach der Vipassana-Meditation fahren wir mit Thara, einem indischen Malaysier, mit dem Bus nach Kuantan. Wir quatschen Stunde um Stunde. Der 26-jährige berichtet viel von den Verhältnissen im Lande, von der jungen Generation, die nichts von der Trennung der ethnischen Gruppen wissen will. Thara z.B. spricht sieben (!) Sprachen: Zwei indische Dialekte, drei chinesische Dialekte, Malaysisch und Englisch. Er ist so wunderbar umgänglich und aufgeschlossen und der erste Inder in Malaysien, mit dem wir richtig in Kontakt kommen.

  • Nach ein paar Tagen in Kuantan machen wir uns auf, um langsam zurück nach Langkawi (zu unseren Rädern) zu hitchen. Viele Menschen nehmen uns mit. Von jedem können wir etwas lernen. Jeder Mensch gibt uns einen Eindruck und unser Bild von diesem Land wird differenzierter.

  • Ein paar Tage später kommen wir (zum zweiten Mal) nach Alor Setar. Jean und Kenny haben uns eingeladen mit ihnen, ihren Kindern (Jojo & Haley) und ihren muslimischen Freunden „aid il fitri“ zu feiern – das Ende der Ramadan-Fastenzeit, auch „hari raya“ genannt (großer Tag). So besuchen wir gemeinsam zwei „hari raya open houses“. Mal klein und familiär, mal ganz viele Gäste. Aber immer gibt es reichlich zu essen.

Alor Setar - zu Gast bei einem "hari raya open house"

Alor Setar – zu Gast bei einem „hari raya open house“

LANGKAWI II

  • Drei Wochen bleiben wir bei Jeff auf Langkawi (unter anderem so lang, weil wir auf ein Paket warten). Statt normalerweise sechs Hunden, betreut Jeff gerade zehn bis elf Hunde in seinem Haus. Die Bude ist voll. Der Haushalt ein Vollzeitjob. In den nächsten Wochen reparieren wir das Dach, schneiden Bäume, bauen zwei Tische, erneuern den Zaun, waschen die Hunde, etc… Dazu unser eigenes Chaos (waschen, Route überlegen, Gastgeber anschreiben, Räder pflegen).

  • Ab und zu machen wir ein paar Ausflüge: Nochmal den Sonnenuntergang auf dem höchsten Berg anschauen, caving (kleine Höhlen kriechend erkunden), Strand, heiße Quellen, gemeinsam mit Jean und Kenny (unseren Gastgebern aus Alor Setar) zu einem geheimen Wasserfall mit tiefen Pool wandern und auf dem Rückweg hüfttief durchs Wasser waten.

  • Ein trauriges Ereignis war die Rettung von einem kleinen schwarzen Hund. Jeff bekam einen Anruf von einem seiner Kunden (pet sitting). Sie hätten einen verletzten Hund gesehen. Ohne Frühstück springen wir ins Auto und finden tatsächlich ein dürres Hundebaby. Es war an eine Bananenstaude gekettet. Die rostige Kette hatte sich auf Grund des Wachstums ins Fleisch des jungen Tieres gefressen. Wir befreien den Kleinen, der uns unsicher anguckt, wickeln ihn in ein Handtuch und bringen ihn zu Jeff nach Hause. Keiner der Anwohner (eher reichere Gegend) will es gewesen sein. Der angebliche Besitzer leugnet jeden Bezug zum Hund. Die durch die Kette entstandene Wunde ist circa zwei Zentimeter tief. Wie kann man das zulassen? Wie kann man weggucken? Eine Nachbarin erzählt, sie hätte Angst gehabt, das Tier zu berühren (den Hund aber manchmal gefüttert). Warum hat sie nicht das Tierheim (das sie kennt!) angerufen? Sind die Menschen so sehr mit ihrem Leben überfordert, dass sie keine Verantwortung für den Umkreis von zehn Meter um ihr Haus herum übernehmen können? Spüren sie nicht die Pflicht über den Tellerrand hinauszuschauen, sich einzumischen? Erscheint ihnen das Problem so unlösbar? (Lösung: Telefonnummer vom Tierheim raussuchen und anrufen). Zudem war es eine chinesische Wohngegend. Bei den muslimischen Malay wäre die Verwunderung minimal kleiner. Hunde kommen im Islam gleich nach den Schweinen (und dürfen mit nassem Fell nicht einmal berührt werden).

  • Jedenfalls geht es dem kleinen Hundewelpen von Tag zu Tag besser. Wir säubern die Wunde, streicheln, füttern. Zunächst ist er verschreckt, versteckt sich in der Abwasserrinne oder unter dem Holzvorrat. Doch mit der Zeit wird er zutraulicher, spielt mit den anderen drei Welpen und läuft uns schwanzwedelnd hinterher.

vegetarische Affen leben direkt neben Jeffs Haus ///// vegetarian monkeys live right next to Jeff's house

vegetarische Affen leben direkt neben Jeffs Haus ///// vegetarian monkeys live right next to Jeff’s house

TEMERLOH – SINGAPUR

  • Herzlicher Abschied von Jeff und auf zur Fähre nach Kuala Kedah. Am nächsten Morgen bringt uns ein Bus nach Temerloh – eine Stadt mitten im Nirgendwo. Von hier gibt es eine schöne, ruhige Radelstrecke bis zur Küste.

  • Ein Highlight: Vor dem Regen suchen wir Schutz unter einem Dach. Es regnet heftig und Rahima kommt auf die Veranda, sagt nur „wait, wait“, um daraufhin mit zwei Tassen heißem Kaffee wieder aufzutauchen. Ein einsames Haus mitten in der Natur, der heftige Regen draußen, wir im Trockenen mit Kaffee und einer offenherzigen Frau, die sagt: „Nennt mich einfach Matschi“ (Malay für Tante/Auntie). Sie sagt (in Bezug auf unsere Reise) – Sätze wie „I support you 100%!“ oder „Enjoy, lah!“ Wir lehnen ihre Einladung für die Nacht ab (zu früh am Tag) und bereuen es später. Denn wir fragen an einer Schule und an einem Restaurant und werden zweimal abgewiesen. Finden dann aber eine verlassene Hütte mit Dach – Glück gehabt, denn es regnet viel.

  • Am nächsten Morgen weiter. Vollmampfen in einem günstigen Resto an der Straße. Tagsüber können wir Rambutans aufsammeln und Litchis pflücken – lecker! Nachmittags beginnt es wieder zu regnen und irgendwo stehen wir in einer Bushaltestelle. Das Krankenhaus dahinter hat schon zu. Nach einiger Zeit des Abwartens sieht Alex einen Mann auf dem Krankenhausgelände, geht zu ihm und fragt, ob wir unter dem Dach auf dem Parkplatz schlafen dürfen. Hafiz überlegt nicht lange und sagt: „Ihr könnt bei mir übernachten“. Er wäre sowieso nicht da, würde jetzt zu seiner Mutter fahren. Als er uns seine Wohnung zeigt, deutet er auf ein paar ungespülte Sachen und sagt den mitterlalterlichen Satz: „Sorry, I am still single!“ Wir nehmen das mit Humor und sind dankbar für das Refugium, für eine Dusche und den Wasserkocher (und natürlich spülen wir alles im Handumdrehen ab).

  • Die Tage „on the road“ laufen gut und wir haben unzählige kleine, positive Erlebnisse. Von Menschen, die uns einfach nur anlächeln, winken, irgendwas bestärkendes zurufen bis hin zu Menschen, die uns beschenken, uns etwas Gutes tun wollen. Schon im ersten Dorf nach Temerloh bekommen wir ein paar (Hari Raya) Kekse geschenkt, später lädt uns Rahima zu Kaffee und Keksen ein, in einem Resto dürfen wir zwar nicht übernachten, dafür gibt’s ein Büschel Rambutan für uns, Jana will Bananen kaufen und soll nichts bezahlen. Ein Van mit ein paar Handwerkern fährt neben uns und reicht Früchte (Dokong) und Mais durchs Fenster, ein anderer Hotelgast schenkt uns Pizza. Später beim Wasseraufladen kommt ein Vertreter auf uns zu und schenkt uns eine Flasche Chlorophyll-Extrakt, welches gut für den Körper und die Kraft sein soll… All das bereichert, belebt, macht leichter…

  • Beim Reisen muss man nur Zeit mitbringen, die Abenteuer kommen von ganz allein. Waren die letzten Tage, durchaus positiv, harmonisch, aber doch vergleichsweise ruhig (im Sinne von größeren Höhepunkten), kommt nun ein Tag voll gestopft mit Geschichten und Erlebnissen.

  • Wir wachen in einem chinesischen Tempel auf, packen unsere Sachen und circa zwei Kilometer später hat Alex einen Platten. Knapp 10.000 km sind wir ohne Platten gefahren und das ist jetzt der dritte innerhalb der letzten 2.000 km. Immer ein Riss am Ventil des Schlauches. Nie ist etwas durch die Schwalbe-Reifen durchgedrungen. Wir hatten nur zwei Ersatzschläuche, die nun schon aufgebraucht waren. Wir hatten uns um Ersatz bemüht, aber bisher keinen gefunden. Alex hitcht zurück nach Mersing. Baka und seine Frau fahren ihn direkt vors Fahrradgeschäft. Der Mechaniker hat leider nicht die passende Größe und so versuchen sie es mit einem Schlauch für Rennräder. Nach einer Stunde (Rekordzeit!) steht Alex wieder vor mir. Mammut und seine Frau Ram hatten Alex auf dem Rückweg per Anhalter mitgenommen und steigen mit aus, um zuzuschauen, wie Alex das Vorderrad wieder einbaut. Sie sprechen exzellent Englisch und schenken uns eine Geschichte (als wir nach dem Achtung-Elefanten-Schild fragen):

  • Als Kind, so erinnert er sich, gab es auf dieser Strecke viele Elefanten. Manchmal schliefen sie mitten auf der Straße (warmer Teer). Hupen könnte sie aufschrecken und gefährlich werden lassen und so warteten die Autos geduldig (1-2 Stunden), bis sich der Dickhäuter wieder entfernte.
    Einen Ersatzschlauch besorgen: Erlebnis Nr. 1.

  • Wir sind noch beim Einpacken, da fährt ein Reiseradler an uns vorbei – aber er hält nicht an. Später holen wir ihn ein, während er am Straßenrand vor sich hindöst. Ghafar ist ein Malay und umrundet einmal Malaysia-Peninsula. Der 72-jährige (!) ist topfit und schwingt sich auf sein Rad. Zu dritt fahren wir weiter, doch schon bald verlieren wir uns aus den Augen, denn er ist deutlich schneller als ich. Beim Mittagessen sehen wir ihn dann doch wieder und der greise Sportler entscheidet spontan mit uns nach Sedili Besar zu kommen. Er wäre dort noch nie gewesen. Diesmal bleiben wir als Gruppe eher beieinander und machen ein paar kleinere Pausen bis Alex‘ erneut einen Platten hat! 50 km hat die Idee des Mechanikers gehalten! Immerhin! Auf einmal lebt Ghafar richtig auf, packt sein Flickzeug aus, nimmt Alex den Schlauch aus der Hand und ist Feuer und Flamme, das Ding zu reparieren. Ein lustiger Opi! Später erfahren wir, dass auf seinem T-Shirt „Adventure Daddy 72“ steht. Dieser Adventure Daddy ist unser Erlebnis Nr. 2 für heute.

  • Schlafplatzsuche: der radelnde Großvater hat ein Zelt dabei – für alle Fälle. Uns ist lange unklar was passiert. Wir radeln zu einem Strand, radeln wieder weg – es wird immer dunkler. Erst später beim Abendessen im Restaurant erklärt uns Ghafar, dass er den „youngsters“ am Strand nicht getraut hat. Wir fügen uns dem Schicksal, fügen uns Ghafar und seinem Stil der Schlafplatzsuche. Akzeptieren, dass er viel mit irgendwelchen Leute quatscht (wir lägen um diese Uhrzeit längst im Zelt). Lange Rede, kurzer Sinn: Alex‘ Reifen ist wieder platt – 10 km nach der Reparatur. Die hilfsbereite Restaurantbesitzerin Bai ruft einen Freund an, der kurze Zeit später vor uns steht. Wir laden das Rad und Ghafar in den alten Mercedes und radeln hinterher. Bob ist unser Engel – einen besseren hätten wir nicht treffen können. Er entschuldigt sich mehrmals, dass alle seine Räume vom Familienbesuch belegt seien. Denn er hätte schon zweimal Radler beherbergt und die durften im ausgebauten Baumhaus-Boot (siehe Foto) schlafen. Wir bekommen ein Dach mit Strom, Klo und Dusche, ein zweites Abendessen und viel Herzlichkeit.

  • Bob ist so wunderbar umgänglich, grinst ständig und neckt seine chinesische Frau. Es trifft ihn, wenn er die Propaganda über Muslime im Fernsehen hört. Das Problem: Der Islam, wie andere Religionen auch, werde missbraucht. Keine Religion erlaubt/lehrt zu töten. Bei aller Ernsthaftigkeit dieser Themen lacht der Gute, der Gütige immer wieder laut auf. Müde sinken wir zu Bett, was für ein Tag! Schlafplatz gefunden: unser Erlebnis Nr. 3 für heute!

  • Zwei Tage später stehen wir auch schon an der Fährüberfahrt nach Singapur. Goodbye Malaysia! Es war schön mit Dir!

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

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