Ein paar abschließende Gedanken nach 2,5 Jahren Radreisen

Autoren: Alex & Jana

Einfachheit ist das Resultat der Reife
(Friedrich Schiller)

Es gibt Themen, die uns in den letzten (Reise-)Jahren immer wieder beschäftigt haben. Das ein oder andere wurde in unseren Blogeinträgen schon angesprochen, für einiges wird auch hier kein Platz sein. Zudem ist wichtig, dass die Beschreibung vor allem auf die heutigen Industriestaaten zutrifft.

Offenheit gegenüber der Vielfalt der Welt
Unsere Reise war ein Trainingscamp, eine ‚university of life‘: Wir haben viel über andere Kulturen erfahren, Sprachen studiert, Menschen kennengelernt und diverse Einblicke in verschiedenste Lebenswelten bekommen – auch in unsere eigene. So ungleich und vielfältig diese Lebenswelten auch waren, immer wurde uns mit einer grundsätzlichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft begegnet.
Die allermeisten Menschen (grob geschätzt 99%) auf unserem Planeten sind gutmütig und friedlich
. Das Paradebeispiel ist der Iran, der in den Medien extrem negativ dargestellt wird, an Gastfreundschaft und Herzlichkeit seiner Bewohner aber unübertroffen ist. Wir wünschen uns mehr Neugier und Offenheit an Stelle von medial geschürter Angst.

Natur als ständiger Begleiter und Lebensgrundlage des Menschen
Weit entfernt vom täglichen Highspeed-Hamsterrad unserer heutigen Gesellschaft brachten uns die kirgisischen Bergseen, die unendliche mongolische Steppe, das Zirpen in südostasiatischen Urwäldern oder die schier unglaubliche indonesische Unterwasserwelt stets Ruhe und Zufriedenheit. Dazu gehört auch eine Lebensweise, die irgendeine Form von Körperarbeit (Wandern, Tanzen, Yoga, …) und eine bewusste Ernährung (am besten ohne industriell gefertigte Lebensmittel) mit einschließt. Das führt nicht nur zu körperlicher, sondern auch zu geistiger Gesundheit.

Fazit: Es waren die zahllosen, berührenden menschlichen Begegnungen und die beeindruckenden Naturerlebnisse, die uns auf unserer Reise am stärksten geprägt haben.

Fischer in Italien

Genügsamkeit
Zudem sind wir über Jahre mit sehr wenig ausgekommen. Unsere materiellen Bedürfnisse passten auf einen Fahrradgepäckträger. Dabei hatten wir nie das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Ein geringer (materieller) Anspruch und damit eine hohe Konzentration aufs Wesentliche führten dazu, dass eine Einladung über Nacht, eine heiße Dusche oder eine warme Mahlzeit bei uns stets große Glücksgefühle ausgelöst haben.

Happiness is a choice
Das Leben ist zu kurz, um Dinge zu tun, die man nicht mag oder die man tut, weil man sich dazu verpflichtet fühlt. Wir sind (meistens) der Kapitän unseres Schiffes und können bestimmen in welche Richtung es fährt. Im Laufe unserer Reise hat sich für uns ein Lebensstil herauskristallisiert, der weitestgehend konsumbefreit und gleichzeitig genießerisch ist. In vielem hat uns diese Reise gezeigt, was uns persönlich wichtig ist. Zum Beispiel
Zeit für Familie, Freunde und Muße, Offenheit, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl.

Hintergrund:

Konsum und Kapitalismus als Norm (und als Paradox)
Wir leben im Wohlstand und sehen doch überall Armut.Wir haben alles was wir brauchen und wollen trotzdem immer mehr. Wir leben in einer Demokratie und haben doch nur wenig Mitbestimmungsrechte. Es gibt immer mehr Essen und gleichzeitig eine Unterversorgung an Nährstoffen. Nie wurden mehr Nahrungsmittel produziert, nie wurden mehr weggeschmissen (ca. 50%). Wir haben mehr Sicherheit und mehr Angs
t. Es gibt mehr Hilfe und mehr Überforderung. Unbegrenzte Kommunikation und trotzdem immer mehr Einsamkeit.
Wirtschaftliche, gesellschaftliche, ökologische Krisen. Krisen so weit das Auge reicht. Die vermeintlich alternativlose Lösung ist Wachstum, Expansion und Weitermachen – in einem System mit endlichen Ressourc
en.
Die Politik liefert lediglich systemerhaltende Notmassnahmen. Es wird nur noch gerettet (Banken, Griechenland, Euro). Weder die politischen Eliten, noch ein Großteil der Bürger verfügt über eine umfassende Zukunftsvision. Die Frage “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?” wird nicht oder nur oberflächlich gestellt. In dieses Vakuum drückt mit voller Kraft der gehasste und geliebte Kapitalismus, repräsentiert durch wirtschaftliche Eliten, die das politische System im Griff haben. Der Kapitalismus hat die Demokratie ausgehebelt,
denn längst bestimmen die Konzernlobbies über neue Gesetze und nicht die Regierung. Das hat globale soziale und ökologische Konsequenzen. Mit beiden wurden wir auf der Reise immer wieder konfrontiert.

Soziale und ökologische Folgen
Wir die Priviligierten, die Reichen, die Weißen, die in fast alle Länder dieser Erde reisen können – die, die nichts für diese Privilegien können. Wir wurden zufällig in Deutschland geboren. Auf der anderen Seite lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung ohne Gesundheitsversorgung, ohne Bildungschancen, ohne Aufstiegschancen, ohne Geld, schlecht bezahlter und gefährlicher Arbeit und letztendlich ohne Reisefreiheit. Es ist das andere Ende einer globalen Schieflage. Es ist extreme soziale Ungleichheit, die irgendwann zum Auseinanderbrechen von Gesellschaften, zu erzwungener Migration, Umverteilungskämpfen und damit zu Gewalt führt.
Der extreme Wohlstand ist nur durch die Ausbeutung anderer Menschen (Billigarbeitskräfte) und der Natur möglich. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlage ist bereits seit Jahrzehnten wissenschaftlich dokumentiert:
Klimawandel, inklusive Dürren, Überschwemmungen, Ausbreitung von Wüsten. Versauerung und Vermüllung der Weltmeere, Verlust an Artenvielfalt, Abbau der Ozonschicht, Überlastung der Böden, und vieles mehr. Es sind die wahren Kosten unseres Lebensstils (getragen von Menschen in anderen Ländern und aller zukünftigen Generationen).

Das folgende kurze Video (10 Min) passt gut zum Thema (Schwerpunkt Umwelt):
https://www.youtube.com/watch?v=XBOsrd4_nEA

Wer es gern noch kürzer (5 Min) möchte (gleiches Thema, aber Schwerpunkt Glück):
https://www.youtube.com/watch?v=D2KbzZrBbMo

Weniger ist mehr – von Einfachheit und Glück
Ständig rattert die Gehirnkirmis und ständig sind wir abgelenkt von einer Flut unterschiedlichster Informationen. Dazu Werbung mit allen psychologischen Tricks, die künstliche Bedürfnisse in uns erschaffen. Konsum definiert unsere Persönlichkeit – sag mir was Du kaufst und ich sag Dir wer Du bist. Neben dem Status gibt es auch die emotionale Komponente des Konsums. Beim Kaufen entstehen Glücksmomente. Die sind aber extrem kurz. Aus dieser Logik folgt: wer ewig glücklich sein will, müsste ewig konsumieren. Die sozialen und ökologischen Folgen wurden oben beschrieben (Hintergrund).

Small life, happy life
Die Antwort auf die
relativ undurchschaubaren und widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnisse in denen wir leben, könnte eine einfache Gleichung sein: weniger = mehr. Weniger ist mehr. Weniger Konsum bedeutet mehr Geld übrig zu haben. Mehr Geld zu haben bedeutet weniger arbeiten zu müssen. Weniger Arbeiten zu müssen bedeutet mehr Zeit zu haben. Mehr Zeit zu haben bedeutet mehr Lebensqualität, mehr Freiheit, Entspannung, Balance, innere Ruhe, Leichtigkeit, mehr mentale und körperliche Gesundheit. Und letztendlich Glück.
Die Trennung von Wesentlichem und Unwesentlichem und damit die Konzentration darauf, was wir wirklich brauchen, um glücklich
(und nachhaltig) zu leben, ist die entscheidende Eigenschaft für die Zukunftsfähigkeit unserer Generation.

Einfachheit ist das Resultat der Reise
(Alexander Gabriel)

 – ENDE –

Kyrgyzstan

Links und weitere Themen:

Konsum und Umweltbelastung
Diese ersten beiden kurzen Videos wurden auch schon vorher im Text erwähnt und sind eine gute Einleitung ins Thema.

Der hohe Preis des Materialismus (5 Min):
https://www.youtube.com/watch?v=D2KbzZrBbMo

Wissenschaftliche Ansätze von Nico Peach (Buch: Befreiung vom Überfluss), Harald Welzer (Buch: Selber Denken! Anleitung zum Widerstand), Hartmut Rosa (Stichwort: Zeitwohlstand). Alle drei Autoren kommen in diesem Video (10min) zu Wort:
https://www.youtube.com/watch?v=XBOsrd4_nEA

Video: Story of Stuff (20 min, deutsch):
https://www.youtube.com/watch?v=UCQLgACc6fQ

Film: Home (90 min, deutsch):
https://vimeo.com/106629763

Globale Ungleichverteilung
Weltkarten, die die Größe von Ländern in Bezug auf bestimmte Kriterien abbilden, z.B.:
CO2-Austoß (Karte): http://www.worldmapper.org/display.php?selected=295
Unterernährung (Karte): http://www.worldmapper.org/display.php?selected=178
Weitere Karten zu anderen Kriterien: http://www.worldmapper.org

(Schuld)Geldsystem
Die Probleme von Zins, Zinseszins, Geldschöpfung durch Privatbanken, das Horten von Geld, das Interbankensystem (Abkopplung von den Zentralbanken), Spekulation, Loslösung vom Goldstandard und realen Werten, etc.

Eine Einleitung (Planet Wissen, WDR, 58min, Dirk Müller ab Minute 22)
https://www.youtube.com/watch?v=fh_i_pwl43s

Massenmedien
Artikel von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
lesenswert ab „Wie Journalisten an Informationen kommen: Informationsquellen“
http://www.bpb.de/izpb/7527/wer-journalisten-sind-und-wie-sie-arbeiten?p=all

Ernährung
Film: Hungry for Change (Trailer, englisch)
Film: Food Inc (englisch)
Film: We feed the world (Trailer, deutsch)

Körperarbeit (und der positive Effekt auf psychische Gesundheit)
Metaanalyse: Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit
(PDF: Körperl_Aktivität_psychische_Gesundheit, Zusammenfassung auf Seite 3)

Anregungen zu nachhaltigen Lebensweisen
Gebraucht kaufen, reparieren, eigener Obst- und Gemüsegarten, Transition town (engl. Video mit dt. Untertitel), Bio-Kiste, Tauschkreise, Car-sharing, Mehrgenerationenhaus, Leben im Wohnwagon, Plusenergiehaus, Ökostrom, Regionalgeld, nachhaltige Geldanlagen und Genossenschaftsbanken

… und vieles, vieles mehr z.B. hier bei bessereweltlinks.de


Fehlentwicklung
Ich sammelte,
schuftete,
sparte,
häufte an
und schuf mir
materielle Güter.
Doch mein REICHTUM
ging mir verloren:
die stille Muße,
die Faszination der Natur,
die heilsame Ruhe,
die besinnliche Abgeschiedenheit,
meine Gelassenheit.

(Kristiane Allert-Wybranietz)

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Neuseeland – sweet as!

Autor: Alex

Km 14903 – Nelson, Neuseeland

‚Sweet as‘ ist typischer Kiwi-Slang. Es soll damit kein süsser Po berschrieben werden, sondern heisst soviel wie ‚ok‘, ‚alles klar‘ oder ‚hört sich gut an‘.
Kiwi? Kiwi ist nicht nur ein Name für die Einwohner Neuseelands und den selten gewordenen einheimischen Vogel, sondern beschreibt auch die bekannte Frucht, die vor einer staatlichen Werbekampagne (1959) Chinesische Stachelbeere hieß.
Um mehr über deutsch-neuseeländische Kulturunterschiede zu erfahren, empfehlen wir die folgenden kurzen und lustigen Videos (unser Favorit: Nr. 2)
http://webserieschannel.co.nz/webseries/lifeswap

Westküste

Westküste

Erst nach ein paar Radeltagen westwärts von Christchurch offenbart sich uns die wahre Schönheit Neuseelands. Am Lake Tekapo klettern wir auf Mount John, bewundern den eigenartig türkis-blauen See unter uns und die schneebedeckten Berge am Horizont. Spaeter radeln wir am ebenso blau schimmernden Kanal entlang – seit Neustem gesperrt für Autos – und werden am Lake Pukaki wieder ausgespuckt. Wir campen am Ufer, gehen nackt baden und schauen auf den von der Abendsonne beleuchteten, schneebedeckten und daher rötlich-weiss schimmernden Mount Cook (Aoraki auf Maori). Kochen am Steinstrand und ab ins Zelt.

Weiterfahren und über eine Schotterpiste abkürzen bis Hawea Flat, nahe Wanaka. Hier wohnen Reyner und James, die für den Sommer jeweils in einer kleinen Holzhütte leben. Es sind nur ein paar Quadratmeter mit einer Schlafkammer unterm Dach. Es gibt fliessend Wasser, Strom und viele Berge drumherum. Auf Anhieb gefällt mir der Ort – der Mensch braucht nicht viel zum Leben.

Die gemütlichen Hütten von Reyner und James in Hawea Flat.

Die gemütlichen Hütten von Reyner und James in Hawea Flat.

Mit ihrem bewusst minimalistischen Lebensstil fühlen wir uns mit den beiden Kletterenthusiasten auf gleicher Wellenlänge. Wir sprechen über ‚risk understanding‘ und sind der gleichen Meinung, dass viele Sachen nicht gefährlich an sich sind – z.B. mit dem Fahrrad ans andere Ende der Welt fahren – es fehlt vielmehr das Verständnis zur Einschätzung des Risikos. Eine Eigenschaft die den modenernen Gesellschaften abhanden gekommen zu sein scheint und auch in der Schule nicht vermittelt wird. Die Konsequenz: mehr Angst. “Wer von Angst getrieben ist, vermeidet das Unangenehme, verleugnet das Wirkliche und verpasst das Mögliche”. (Heinz Bude: Gesellschaft der Angst – Leseprobe und weitere Artikel im fluter zum Thema Angst).

Wir hitchen los, um Gisela, Jan und die kleine Joana zu treffen. Kurze Zeit später sitzen wir mit den Freunden aus der Heimat und quatschen als hätten wir uns erst letzte Woche gesehen. Dabei sind über zwei Jahre vergangen. Wir machen ein Feuer und einen Plan, wie wir den ’sandflies‘ entkommen können. Diese kleinen beissenden Biester, sehen aus wie schwarze Fruchtfliegen und kommen in Scharen.

Im Bulli mit Gisela, Jan und Joana zur Curio Bay. Campingplatz und abends ‚yellow eyed pinguins‘ angucken. Am nächsten Morgen mein persönliches Highlight seit Wochen: Porpoise Bay ist die Heimat von Hektor-Delphinen, die kleinsten ihrer Art – bis zu 1,50m lang und gibt’s nur in Neuseeland. Sie migrieren nicht, leben in der Bucht und kommen oft nah an den Strand, während sie spektakulär in den Wellen surfen. Rein ins eiskalte Wasser (kein Land mehr zwischen mir und der Antarktis) und mit den Delphinen in freier Wildbahn schwimmen. Direkt neben mir kommt schnaufend eins dieser glatten Tiere aus dem dunklen Wasser aufgetaucht, ein anderer springt vor meinem Gesicht komplett aus dem Wasser und taucht unter mir durch. Einzigartiges Herzklopfen.

Lake Crucible - ein Gletschersee

Lake Crucible – ein Gletschersee

Viele weitere Naturerlebnisse warten hier hinter jeder Ecke. So folgen wir einem unterirdischen Fluss durch einen Berg – arbeiten uns durch das bis zu hüfttiefe Wasser ins Innere der Erde. Stehen auf dem ein oder anderen Gipfel begleitet von Keas, den grünen Bergpapageien. Bestaunen Gletscher, weite Täler, Fjorde und unberührte Natur. Mehrtägige Wanderungen, inklusive aufregender Flussüberquerungen, führen uns zu entlegenen Wasserfällen und mit Eisschollen verzierten Bergseen. Dieses Land ist ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene.

Shallow Bay

Fjorde bei Shallow Bay

Unsere Freunde aus Deutschland sind schon abgereist. Wir wollen den Sommer noch auskosten und hitchen kreuz und quer auf der Südinsel, um verschiedene Wanderungen zu machen.

Eines abends campen wir in einem Flussbett, weil es der einzige Ort ist, wo wir nicht gesehen werden. Als wir nach einem Tagesausflug zurück zum Zelt laufen, beschleunigt der Gedanke, dass das Zelt unter Wasser stehen könnte, meine Schritte. Aber es ist alles ok. Trotz der langen Regenstunden keine Anzeichen, dass das trockene Flussbett sich mit Wasser füllen würde. In den Bergen verändert sich die Natur stetig. Gut möglich, dass das Wasser jetzt woanders lang fließt. Den Rest der Tages verbringen wir im Zelt – es regnet ununterbrochen. Als es dunkel wird und wir uns gerade schlafen legen wollen, gluckert es ‚pitsch patsch‘ vor unserem Zelt. Ich gucke raus und da fliesst das klare Wasser einen halben Meter vom Eingang entfernt – die Tupperschüsseln mit denen wir Regenwasser gesammelt hatten wurden bereits weggeschwemmt. Ok, keine Panik!? Innerhalb von Minuten haben wir alles zusammengepackt – so schnell wie noch nie. Das Wasser steigt extrem schnell und berührt schon das Zelt, als wir unsere Ausrüstung zum Ufer tragen – alles in Dunkelheit und im Regen. Dann das Zelt. Wir finden einen höher gelegenen Platz, spannen unser Außenzelt ab und setzen uns darunter. Ich muss laut lachen über so viel Dummheit und so viel Glück. Wir hätten es besser wissen müssen und haben nun unsere Lektion fürs Leben gelernt.

Valley

Weite Täler – dies ist das Mt. Cook Tal

Inzwischen sind wir im sonnigen Nelson, im Norden der Südinsel angekommen. Wir nehmen uns ein paar Monate Zeit unsere Reise zu verdauen und Pläne für die Zukunft zu schmieden. Unsere Reise erklären wir nach 22 Ländern und 30 Monaten “on the road” (vorerst) für beendet.

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

Was es nicht in den Blog geschafft hat:

  • Wie Jana bei unserer Ankunft früh morgens in Christchurch vom Sicherheitspersonal daran gehindert wurde im Wartebereich des Flughafens auf dem Boden zu schlafen.

  • Die Geschichte der Maoris und die “Entdeckung” Neuseelands durch die Europäer. Mit ähnlichen, aber nicht ganz so heftigen Folgen wie in Australien. Die Situation ist alles andere als perfekt, aber die Maoris hatten damals wie heute einen besseren Stand als die Aborigines in Australien.

  • Die kilometerlangen, unendlichen Zäune, die es Radreisenden schwer machen können einen Campingplatz zu finden.

  • Die Atmosphäre unter Radreisenden. Viele sind nur für kurze Zeit hier und scheinen weniger den Austausch zu suchen.

  • Neuseeland ist Mekka für deutsche Abiturienten. Ein Trend, den wir bisher nicht kannten.

  • Neuseeland ist Mekka für Hitchhiker. Ein Trend, der uns gut gefällt.

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Australien – Spirit of Tasmania

Autorin: Jana

Km 14801 – Nelson, Neuseeland

TASMANIEN

  • Es gibt Orte auf der Welt, deren Klang sich irgendwann mal im Laufe eines Menschenlebens in der Seele niedergelassen hat. Neben Kyrgyzstan und der Mongolei, war es für mich auch Tasmanien. Und zum Radfahren ist die Insel sowieso überschaubarer: Sie entspricht knapp 1% der Landmasse Australiens. Dennoch verbringen wir hier 50% unserer Visazeit (= 6 Wochen).

  • Die Insel im Südosten von Australien, auch liebevoll „Tassie“ genannt, erreicht man per Fähre mit dem Namen „Spirit of Tasmania“. Ob die Fähre so heißt, weil die Inselbewohner so einen guten „spirit“ haben? Uns gegenüber zeigen sich die Tasmanier mit ihrer herzensguten, aufgeschlossenen und großmütigen Wesensart jedenfalls von ihrer besten Seite.

  • In der ersten Woche machen wir mal etwas Unterschiedliches. Wir kommen jeweils bei einem anderen Gastgeber des Help Exchange Netzwerkes unter und treffen uns nach neun Tagen in Launceston wieder. Alex‘ Gastgeber Duncan und Cassandra haben uns zum “x-mas lunch” eingeladen, wo wir uns bei einem herzlich lockeren Miteinander durch tausend leckere Speisen schlemmen.

Bay of Fires (Feuerbucht), die wir Dank unserer Gastgeberin Pip in St. Helens besuchen dürfen, da sie uns dorthin fährt

Bay of Fires (Bucht der Feuer) an Tasmaniens Ostküste, die wir Dank unserer Gastgeberin Pip in St. Helens besuchen dürfen, da sie so lieb ist und uns dorthin fährt

  • Von Launceston radeln wir zunächst an die Ostküste und dann gen Süden. Unterwegs gibt es nicht nur schöne Landschaften, sondern auch herzliche menschliche Erlebnisse. So kamen wir nach Swanick – einem kleinen Ort der vor allem aus Ferienhäusern besteht. Wir hatten eine Adresse und die Beschreibung, wo der Schlüssel versteckt ist und stehen kurze Zeit später in einem Haus, direkt am See. Graham, Cassandras Onkel, hatte uns an Weihnachten in seine “shack” (=Hütte) eingeladen – zwei Minuten nachdem er uns kennengelernt hatte und obwohl klar war, dass er und seine Frau nicht dort sein werden. Ein wunderbares Geschenk: zum Jahreswechsel für ein paar Tage ein Refugium für uns zu haben.

  • Spannende Abreise aus Swanick: um nicht noch mal komplett um die Bucht zurückfahren zu müssen, schnappen wir uns Grahams Ruderboot und rudern unsere Räder und unser Gepäck ca. 25 Meter über den kleinen Kanal. Die starke Strömung saugt uns Richtung Meer, aber wir kommen trocken am anderen Ufer an. Alex wollte eigentlich das Boot allein zurückrudern und dann schwimmen. Aber das Schicksal sendet zwei Teenager mit einem Jetski an den Strand. Das Ruderboot wir festgebunden und die beiden Mädels ziehen Alex rüber. Auch auf dem Rückweg wird er nochmals hinüber kutschiert. Genial! Die ganze Aktion spart uns 50 km Umweg und schenkt uns eine ruhige, kaum befahrene Straße, die uns zu…

  • … Donnalee & Pete in Swansea führt. Die beiden nehmen uns auf wie alte Freunde, lassen uns teilhaben an ihrem Leben. Am Abend kommen Freunde zum Essen und Musizieren, morgens machen wir gemeinsam Yoga, brunchen mit weiteren Freunden und tauschen Lebensphilosophien aus. Aufgesaugt in diesen harmonischen Mikrokosmos bleiben wir eine Nacht länger als geplant.

  • Wir stellen die Räder unter und wandern entlang der spektakulären Steilküste im Südosten der Insel (Eagle Hawk Neck bis Fortescue Bay, dann Cape Huay). Eine aufgeschlossene Familie, die uns auf dem Campingplatz zu sich aufnimmt, gibt uns Insider-Tipps zu weiteren Wanderungen auf der Insel (und zu bestimmten Hütten und Wanderrouten). Auf Tasmanien gibt es Unmengen an unberührter Natur. Allein die Nationalparks erstrecken sich auf 38% der Inselfläche.

beeindruckende Steilküste in der Nähe des "Eagle Hawk Neck"

Beeindruckende Steilküste in der Nähe des „Eagle Hawk Neck“

  • Auf dem Weg zurück zu unseren Rädern hält Angie an – nicht nur dem Namen nach ein Engel. Sie fährt nicht nur einen Umweg für uns, sondern bietet auch an, uns und unsere Räder in ihrem Kombi (!) die fehlenden 90 km mit nach Hobart zu nehmen. Es regnet in Strömen und wir akzeptieren dankbar. Hier wird deutlich, wie sich unser Reisestil in den letzten zwei Jahren entwickelt hat: eine Kombination aus Fahrrad fahren, hitchhiken und wandern.

  • In Hobart zeigt Angie uns sogar noch eine Aussichtsplattform und beherbergt uns bei Tee und Veggie-Burgern noch solange bis unsere Gastgeber von der Arbeit kommen. Dann bringt sie uns zu Jacqui & Brett, die mit ihrem beiden Kindern Savannah (18) und Dylan (21) ein faszinierendenes, weil sehr entspanntes Familienleben führen. Alles läuft wie von selbst, ohne Stress. Dylan bekocht uns, dann übernehmen wir, dann Jacqui, usw. Wir bleiben ein paar Tage und haben Teil an ihrem Alltag, können uns etwas organisieren und freuen uns, dass wir uns gegenseitig inspirieren können. Sie wollen – jetzt wo die Kinder erwachsen sind – sechs Monate lang durch Europa radeln und haben viele Fragen. Jacqui schreibt sogar einen Eintrag auf ihrem Blog über uns: http://jacslifeontheroad.com/warm-showers-experience

  • Wir beschließen die restlichen zwei Wochen unserer Tasmanien-Zeit in der Natur zu verbringen und wollen nochmals wandern. Deshalb stellen wir die Räder in Devonport unter und fahren per Anhalter zu den beiden Nationalparks (Walls of Jerusalem und Cradle Mountain). Die empfohlenen Hütten sind praktisch – nicht nur um uns an regnerischen Tagen darin zu verkriechen, sondern auch um dort tagsüber unsere Rucksäcke zu lassen (base camp). Aber es gibt auch immer wieder Sonnenschein, so dass wir die umliegenden Gipfel erklimmen können (Mt. Jerusalem, Salamon’s Throne, Barn Bluff, Cradle Mountain). Glück gehabt, denn in dieser Region Tasmaniens gibt es 250 Regentage im Jahr.

  • Unzählige Menschen nehmen uns ein Stück mit. Auf dem Rückweg – unser letzter “Ride” in Australien – steigt die Fahrerin nach der kurzen Fahrt aus, um uns zum Abschied richtig feste zu umarmen. Sie ist nur eine von den vielen weltoffenen, hilfsbereiten und großzügigen Menschen auf Tasmanien. Dankbar sitzen wir auf der Fähre nach Melbourne und blicken zurück.

Graffiti in Melbourne

Graffiti in Melbourne

MELBOURNE II

  • Unsere letzte Woche in Australien verbringen wir erneut in Melbourne. Diesmal kommen wir bei Lucy & Stephen unter, die wir in Launceston auf Tasmanien kennengelernt hatten. Auch bei unserem zweiten Besuch glänzt die Metropole mit Graffities, botanischen Gärten und kulturellen Initiativen. Es gibt alles von städtischem Gemüseanbau (urban gardening) über Radküchen (bicycle kitchen) bis hin zu meheren Restaurants der Organisation “lentil as anything”, bei denen die Menüs keine festen Preise haben und die Gäste ihren Beitrag selbst festlegen können. Auf diese Art und Weise wird allen Menschen der Zugang ermöglicht.

  • Goodbye, Melbourne. Wir hätten uns vorstellen können hier länger zu bleiben. Aber die Flüge nach Neuseeland sind schon gebucht. Also die riesigen Fahrradkartons auf den Gepäckträger schnallen und ab zum Flughafen.

Hier gibt es aktuelle BILDER und unsere ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken).

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Australien – Outback, Südküste und Great Ocean Road: beeindruckende Tiere und Natur

Autorin: Jana

Km 14797 – Nelson, Neuseeland

ALICE SPRINGS

  • Wir haben Glück mit dem Wetter, die Wüstensonne bleibt uns erspart und wir haben kühle Tage. An diesen machen wir kleine Radtouren in die Wüste im Umkreis von Alice Springs (East and West McDonnell Ranges).

  • Aufgrund unserer Erfahrungen an der Tankstelle von Tennant Creek entscheiden wir uns nicht weiter per Anhalter zu fahren, sondern eine sogenannte “car relocation” zu machen. So fahren wir ein Wohnmobil für einen Autoverleiher 1500 km nach Adelaide. Leider gibt es dafür nur ein bißchen Spritgeld. Ein mittelguter Deal. Aber immerhin halb so teuer wie ein Busticket.

Mit Florian und unserer "Waschmaschine"

Mit Florian und unserer „Waschmaschine“

ALICE SPRINGS – ADELAIDE

  • Unser “Motorhome” gleicht einer riesigen, weißen Waschmaschine, die wir – um Sprit zu sparen – mit 90 km/h durch die Wüste fahren.

  • Dann auf einmal: ein Radler taucht auf – mitten in der Wüste. Endlich können wir mal jemandem helfen. Florian lehnt es jedoch ab mitgenommen zu werden. Dass er alles radeln möchte, “das ist mein Ding”, sagt er. So verabreden wir uns am nächsten Rastplatz, wo er übernachten will. Wir verbringen einen sehr angenehmen Abend, kochen gemeinsam und erzählen von Radlerabenteuern. Auch er ist in Deutschland losgefahren, auch er seit Jahren unterwegs. Florian war übrigens auch in Bandung, bei den “Reiseradlern von Java”.

  • Aufgrund eines Problems mit unseren Kreditkarten und der Zeit, die wir mit Florian verbracht haben, sind wir am ersten Tag nur 130 km weit gekommen. Jetzt heißt es: fahren, fahren fahren. Für 2 ½ Tage rauschen wir durch die Wüstenlandschaft. Natürlich halten wir auch mal an: für Emus, für einen großen Salzsee und für die Minenstadt, Coober Pedy, die etwas in der Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Manche Häuser sind in die Hügel oder sogar unterirdisch gebaut, weil es so drinnen wunderbar kühl bleibt.
Lake Heart - ein Salzsee

Lake Hart – ein ausgetrockneter Salzsee in der Wüste

ADELAIDE – MELBOURNE

  • Einen Monat lang war ich nicht richtig fit und verschnupft (davon 2 Wochen Sinusitis – die bisher erschöpfendste Krankheit unter uns zweien). Pünktlich zu unserer Abfahrt in Adelaide, bin ich jedoch wieder gesund auf dem Sattel und wir nehmen die knapp 1000 km nach Melbourne in Angriff. Im küstennahen Coorong National Park haben wir immer wieder mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Die Gegend ist dünn besiedelt. Als wir bei einer Farm nach Wasser und einem Tipp fürs campen fragen, schlägt uns Grant spontan die Wiese vor dem Haus seiner Eltern vor. Gäste sind hier selten und wir werden freundlich willkommen geheißen.

  • Nur ein paar Kilometer weiter, in Kingston, werden wir wieder herzlich aufgenommen. Dieses mal von einer Angstellten im Touri-Office. Wir dürfen das Internet benutzen, sie macht uns sogar einen Kaffee und während wir Emails checken, druckt sie uns Infos zur Region aus – ein Refugium. Wir sind dankbar für diese kleinen Erlebnisse.

  • In Mount Gambier, ca. mittig zwischen Adelaide und Melbourne, bleiben wir zwei Tage bei Sandy, unserem Gastgeber durch das Radler-Netzwerk warmshowers. Sandy ist wunderbar unkompliziert, großzügig und hilfsbereit und hilft uns sogar meinen Lenker zu kürzen. Nach so vielen Tagen auf dem Rad – in der Natur und dem Wetter ausgesetzt – einen Tag in einem Haus verbringen zu dürfen, mit heißer Dusche und Kaffee; das löst in uns ein wohlig-warmes Gefühl aus. Vor allem da es an der Südküste nicht mehr so tropisch warm ist und wir uns kein Hotel leisten. Draußen stürmt, regnet und hagelt es – genau an unserem Pausentag – wir Glückskinder.

  • Aufgrund des demotivierenden Gegenwinds versuchen wir während des Pedalierens zu hitchhiken. Wir haben Glück und Matt hält seinen Truck an. Er schenkt uns 100 km – super! Wieder Pluspunkte für die Australier.

  • Im nächsten Bezirk ist wild campen nicht erlaubt. Also klopfen wir am nächsten Haus und werden wieder positiv überrascht: bescheiden fragen wir nach einer Scheune oder Garage und werden von Greg spontan ins Gästezimmer eingeladen. Er ist Melker für einen nahegelegenen Milchbetrieb.

  • Weiter gehts, immer noch mit häufigem Gegenwind. Campen ist inzwischen wieder legal, aber es fängt an zu regnen und auch Windschutz wäre nicht schlecht und so nähren wir uns dem nächsten Haus. Dick macht auf – in Unterhose. Einen Moment später kommt er bekleidet zurück. Seine Hände zittern unaufhörlich. Der Mittsechiziger lässt uns sofort von seiner Krankheit wissen: Parkinson. Er ringt oft nach Worten, die ihm nicht einfallen wollen. Aber sein Herz spricht eine klare Sprache: “Ihr könnt hier bleiben. Und wenn meine Frau nicht einverstanden sein sollte, muss sie uns alle drei rausschmeißen.” Aber Rita ist einverstanden, begrüßt uns herzlich, stellt uns sogar einen Tisch und Stühle in die Garage und zeigt uns Dusche und Toilette. Wir lernen über den Milchbetrieb der Familie und dass Jersey-Kühe (bräunlich) weniger aber bessere Milch geben (mehr Calcium und Fett) als frisische Kühe (schwarz-weiß).

  • Der jüngste Sohn Anthony (27) trudelt auch ein. Er verspricht uns am nächsten Morgen Frühstück zu machen und wir sollen nicht enttäuscht werden: Toast mit Avocado, Tomate, Ei und Speck. Später zeigt Anthony uns noch seine Lieblings-Felsformation an der Steilküste und fährt uns anschließend noch in seinem Pick-up 40 km ins nächste Dorf – wieder ein paar km weniger gegen den Wind.

  • Wir radeln landeinwaerts durch den Cape Otway National Park mit seinem tropischen Dschungel. Dicke Regentropfen prasseln auf die warme Straße. Wieder wollen wir nach einem Dach fragen. Doch wir werden zweimal abgewiesen. Einmal ziemlich harsch (O-ton: “Look, I don’t care what you do! Help yourself!”).

  • Wir zelten also und am nächsten Morgen ist alles (!) nass. Um unsere Sachen trocknen zu können, fragen wir am nächsten Abend wieder nach einem Garagendach. Als Pete vorschlägt, den Traktor in der Garage für uns etwas zur Seite zu schieben, sagt seine Frau: “Aber Pete, das willst du doch nicht wirklich machen!” Er macht es zwar, doch Pete und seine Frau scheinen nicht besonders interessiert an uns zu sein – wir sehen die beiden nie wieder. Von den Pluspunkten der Australier werden wieder ein paar abgezogen! 😉

  • Wir nähern uns allmählich der Great Ocean Road – das Top Touri-Ziel dieser Region. Wie berühmt die Gegend ist, war uns vorher nicht klar. Die Landschaft ist malerisch. Inzwischen eher mit Rückenwind geht es rein in die Bucht, raus aus der Bucht, rein in die Bucht und so weiter. Wir nehmen uns auch Zeit, die Steinformationen am Meer zu bewundern. Bei den berühmtesten Felsen (den 12 Aposteln) werden Busse voller Chinesen angekarrt.

Felsformationen entlang der Great Ocea Road

Felsformationen entlang der Great Ocean Road

MELBOURNE

  • Willkommen in Melbourne, eine riesige Stadt: grün (auch politisch), fahrradfreundlich, multikulturell, hipp. Wir bleiben bei unseren Gastgebern mit den wunderschönen Namen Alex & Jana 😉 Tatsächlich heißen die beiden so wie wir. Jana kommt aus der Slowakei, wo die beiden sich vor gut einem Jahr kennengelernt haben. Die Atmosphäre ist locker, wir ruhen uns ein paar Tage aus. Am Sonntag nehmen uns die zwei mit zum Grillen bei Freunden und dann geht’s auch schon auf die Fähre nach Tasmanien.

Melbourne - Sicht auf den Hafen und die Skyline bei Abfahrt mit der "Spirit of Tasmania"-Fähre

Melbourne – Sicht auf den Hafen und die Skyline bei Abfahrt mit der „Spirit of Tasmania“-Fähre

TIERE & NATUR

  • In Australien gibt es viele Landschaften und Tiere, die wir zuvor noch nicht gesehen hatten.

  • Australiens “Outback”, so wie das riesige rote Zentrum genannt wird, beeindruckt vor allem durch die endlose Weite (und die damit verbundene Einsamkeit), aber auch durch die rotgefärbte Erde. Auch Dschungel-, Küsten-, Fels- und Berglandschaften in South Australia, Victoria und Tasmanien sind bezaubernd.

  • Besonders beeindruckend ist jedoch Australiens Tierwelt. Da hüpfen natürlich sehr viele Känguruhs und ihre kleinen Verwandten, die Wallabys, durch das Land. Riesige Fledermäuse hängen von den Bäumen, Emus sprinten durch die Wüste und Dingos gucken scheu hinter einem Busch hervor. Vor der Küste Nordaustraliens leben Salzwasserkrokodile, Haie, Wasserschlangen und giftige Quallen im Meer, weshalb man dort auf keinen Fall schwimmen gehen darf. Insgesamt ist Australien zwar bekannt für seine vielen giftigen Tiere, doch das Risiko zu Schaden zu kommen, ist realtiv gering – vor allem, wenn man die Warnhinweise befolgt.

  • Während wir eines nachts im Zelt liegen, hören wir ein ohrenbetäubendes, undefinierbares Grunzen. Wüssten wir nicht genau, dass es in Australien keine Bären gibt, hätten wir Angst um unsere Haut. Wir vermuten Wildschweine und fragen am nächsten Morgen nach. Es sind Koalas, die sich nachts gegenseitig rufen! Diese kleinen Tiere machen diese lauten Geräusche??? Unglaublich!

  • Zu anderen nächtlichen Besuchern gehört das allesfressende Possum, welches hinter unserem Proviant her ist und uns dreimal nachts den Schlaf erschwert hat! Ahhrrrgh!!!

  • Bemerkenswert und gut getarnt ist das Echidna (dt. = Australischer Ameisenigel) – eine Art Igel mit Rüssel.

  • Neben Schlangen, die beim Wandern von uns aufgeschreckt schnell weghuschten, gibt es auch langsame und ungefährliche Echsentiere, wie Warane oder die Stutzechse – kurze Beine, kurzer Schwanz.

  • Auch die Vogelwelt beheimatet die reinste Vielfalt: Pinguine, Papageien, Kakadus, Pelikane,

Hier ein paar Tierbilder:

Känguruhs

Känguruhs

Wallaby

Wallaby

Fledermäuse

Fledermäuse

Ein Emu im Outback, der australischen Wüste

Ein Emu im Outback, der australischen Wüste

A possum in Giulia's and Sylvain's garden ///// Ein Possum in Giulias und Sylvains Garten

Possum

Echidna

Echidna (Australischer Ameisenigel)

Koala

Koala

Stutzechse

Stutzechse

Waran

Waran

Papagei

Ein Kakadu

Kakadu

Pelikane im Coorong National Park

Pelikane im Coorong National Park

Hier gibt es weitere BILDER und unsere ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken).

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Australien – alles gleich, alles anders? Alles gleich anders?

Autorin: Jana

Km 14753 – Nelson, Neuseeland

Australien: Das vorzeitige Ende unserer Reise? Dieser Gedanke kommt uns, weil wir vor unserem geistigen Auge die kulturelle Spannungskurve der letzten zwei Jahre betrachten. Wir haben lange Zeit in Asien verbracht (von der Türkei bis Indonesien: 21 Monate) und Indonesien war ein intensiver und menschlich wunderbarer Abschluss.
Jetzt stehen wir wieder mittendrin. Im Westen. Obwohl wir die ganze Zeit nach Osten geradelt sind! Im Kaka-pipi-talismus. Im teuren Supermarkt mit übergewichtigen Menschen. In unendlicher Produktauswahl. In Mega-Einkaufszentren. In großen Häusern, die bis unter die Decke mit Zeug vollgestellt sind. Kaum jemand erwartet, dass wir unsere Schuhe beim Betreten eines Hauses ausziehen. Viel mehr Fleisch, Weizen- und Milchprodukte. Trinkwasser aus der Leitung. Mülltonnen voller Nahrungsmittel. Heiße Duschen in Bädern mit trockenen Böden (im Gegensatz zu den asiatischen Nasszellen). Individualismus. Öffentliche Toiletten und Grill-Stationen sowie Touristeninformationszentren. Fahrradwege. Abgesenkte Bordsteine. Service, Rückgaberecht und Qualitätskontrollen. Dicke Autos. Mehr nackte Haut. Keine Kommunikationshürden mehr, da wir die Landessprache sprechen. Und dennoch haben wir weniger spontane berührende menschliche Begegnungen. Zum einen, weil wir nicht mehr als Ausländer auffallen – wir könnten ja auch als Australier durchgehen. Zum anderen, weil die Leute es nicht mehr ganz so ungewohnt finden mit dem Rad zu verreisen.

Vor allem jedoch, weil die Menschen einer anderen Kultur angehören. Einer Kultur, in der es weniger Menschen gibt, die aufgeregt winken und uns spontan zu einem Tee einladen. Einer Kultur mit mehr Stress und Oberflächlichkeit. Weniger Zeit, spontan ein Pläuschchen zu führen. Es gibt weniger strahlende Gesichter. Der Weg zum Lächeln scheint weiter zu sein. Einer Kultur des Reichtums und des Überflusses, aber auch der Angst, diesen zu verlieren. Einer Kultur, in der zum Teil auch rassistische Äußerungen gemacht werden – in aller Öffentlichkeit.

Australien ist ähnlich “entfremdet” (Erich Fromm) wie die heutige europäische Kultur. Und so sind wir quasi kulturell wieder zu Hause angekommen und haben einen Eigenkultur-Schock. Die meisten Australier haben europäische Vorfahren, die sich hier vor einigen Jahrhunderten angesiedelt haben. Zunächst “entdeckten” 1606 die Niederländer Australien. 1788 wurde das Land von den Briten kolonialisiert, um Sträflinge unterzubringen. Die Menschheitsgeschichte des Kontinents beginnt jedoch 50.000 Jahre vorher mit den Ureinwohnern Australiens, den sogenannten Aborigines. Diese litten stark unter der Ankunft der Europäer. Sie starben an eingeschleppten Krankheiten, grauenhaften Massakern und wurden zum Teil wie wilde Tiere gejagt und erschossen. Hinzu kamen Zwangsadoptionen, Assimilierungsprogramme, Unterdrückung und Diskriminierung. Die massenhaften Landenteignungen seitens der Europäer wurden erst 1992 als illegal anerkannt und erst 2008 hielt der damalige australische Premierminister, Kevin Rudd, die erste umfassende Entschuldigungsrede.

Later in Melbourne we see this political message ///// Später in Melbourne sehen wir dieses politische Plakat.

Later in Melbourne we see this political message ///// Später in Melbourne sehen wir dieses Plakat.

Eine Rückkehr vom 21. Jahrhundert zum traditionellen (und nachhaltigen) Leben der Aborigines ist kaum noch vorstellbar. Wasserquellen sind verschmutzt oder komplett versiegt. Wälder wurden abgeholzt, der Lebensraum von Tieren vernichtet und einige der Kulturtechniken der indigenen Bevölkerung sind inzwischen vergessen.

Ironischerweise müssen Aborigines, sowie deren Kunst, Mythologie und Lebensweise für Werbung im Tourismus herhalten. Das gilt nicht nur, aber besonders für den Uluru National Park – auch bekannt als Ayers Rock. Dieser kleine Berg ist ein Heiligtum für die Aborigines und ist inzwischen zum Symbol für die australische Tourismusindustrie ausgeschlachtet worden.

Trotz Rückkehrschock und selteneren spontanen Begegnungen als in anderen Ländern, finden wir dennoch sehr aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen – zumeist vorab kontaktiert über Gasfreundschaftsnetzwerke. Demnach zwar weniger spontan, aber genauso schön: Unter anderem werden wir von Giulia (Italien) und Sylvain (Frankreich) die komplette erste Woche in Darwin beherbergt. Ein super Start im neuen Land. Zumal ich krank bin (Nebenhöhlenentzündung), Zeit brauche mich zu erholen und zu akklimatisieren. Wir verstehen uns super und am Wochenende nehmen die beiden uns mit in den Litchfield National Park – ein echtes Highlight mit hohen Wasserfällen, die sich in große, blaue Pools stürzen und von tiefgrüner Natur umringt sind. Paradiesisch.

Litchfield National Park - watching the sundset with Giulia and Sylvain ///// LItchfield Nationalpark - gemeinsam mit Giulia und Sylvain gucken wir uns den Sonnenuntergang an

Litchfield National Park – watching the sundset with Giulia and Sylvain ///// Litchfield Nationalpark – gemeinsam mit Giulia und Sylvain gucken wir uns den Sonnenuntergang an

Aufgrund der sommerlichen Hitze, meines Gesundheitszustandes und einer gebuchten Fähre nach Tasmanien beschließen wir die 3000 km nach Adelaide zu hitchhiken. Unser erster Ride nach Katherine (300 km) lässt nur zehn Minuten auf sich warten. Anfängerglück. Für unsere nächste Etappe von Katherine nach Tennant Creek (700 km) müssen wir drei Stunden warten, bis Ken uns mitnimmt. Ken fährt einen der berüchtigten Road Trains – ein riesiger Lastwagen mit bis zu vier Anhängern und 53 Metern Länge.

Als wir in Tennant Creek an der Tankstelle stehen, bekommen wir zum ersten Mal auf dieser Reise keinen Ride. Von morgens bis abends (ca. 7 Stunden) warten wir, sprechen immer wieder Leute an – es passiert nix. Immerhin: als ich mit freundlichen Menschen ins Gespräch komme, die uns gern mitnehmen würden, wenn sie denn Platz hätten, bekomme ich einmal 50$ und später nochmal 5$ geschenkt. Einfach so, von wildfremden Menschen. Die Australier sammeln Pluspunkte.
Und dann kommt er doch noch, der erhoffte Ride. Ein Chaosteam mit Pick-up und Anhänger. An letzterem muss erst mal ein Radschaden repariert werden (ca. weitere 3 Stunden), aber von Anfang an steht die Zusage ein bisschen Platz im völlig überfüllten Auto für uns zu machen. Stuart und Chris sind Handwerker, die im ganzen Land Wassertanks aufstellen oder reparieren. Stuart ist aufgrund seines Akzents dermaßen schwierig zu verstehen, dass wir bald nur noch höflich nicken, jedoch nichts kapieren. Aber seine blauen Augen, die unter den grauen Haaren aus dem wettergegerbten Gesicht schauen, verraten uns, dass er eine gute Seele ist. Chris, der jüngere Zuarbeiter, erzählt von einer gescheiterten Beziehung, seinen Kindern, die weit weg mit der Mutter aufwachsen, von seinem “biologischen Vater”. Er kann “Blut und Ehre” auf deutsch sagen, was zusammen mit seinen Tattoos in Frakturschrift (u.a. sein Familienname quer über die Schultern) nicht gerade auf bürgerliche Erziehungsverhältnisse schließen lässt. Vorurteile sind hier fehl am Platz. Er ist ein liebenswürdiger und lustiger Kerl.

Alex with Stuart and Chris (from left to right) at arrival in Alice Springs ///// Alex mit Stuart und Chris (vlnr) bei Ankunft in Alice Springs

Alex with Stuart and Chris (from left to right) at arrival in Alice Springs ///// Alex mit Stuart und Chris (vlnr) bei Ankunft in Alice Springs

Da wir erst abends nach der Reparatur loskommen, campen wir nach 100km bei ein paar Steinformationen (Devil’s Marbles). Die beiden denken gar nicht daran die Campingplatzgebühr zu zahlen und früh morgens brausen wir Richtung Alice Springs. Ein Reifen ist kaputt und wird ab und zu mit einem Kompressor, der auf der Ladefläche sitzt, aufgefüllt. Das ist das wahre Hitchhiken.

Noch beeindruckender ist für uns aber Australiens Natur- und Artenvielfalt. Wir erleben Tiere und Landschaften, die wir noch nie zuvor gesehen hatten. Hier  schon mal ein paar Bilder. Mehr dazu berichten wir jedoch beim nächsten Blogeintrag.

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

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Indonesien – unsere letzten Tage in Asien auf Lombok und Bali

Autor: Alex

Km 14448 – Wanaka, Neuseeland

Das war’s! Seit der Türkei reisen wir (geographisch gesehen) durch Asien und die beiden indonesischen Inseln Bali und Lombok sind nun unsere letzten Stationen. Nach knapp zwei Jahren stehen wir kurz vor dem dritten Kontinent unserer Reise.

Wir lassen es langsam angehen und gehen sehr oft schnorcheln und zwei Mal tauchen. Das Schnorcheln entspricht etwa der Vogelperspektive – alles von oben und mit Abstand. Beim Tauchen sind wir den Unterwasserkreaturen, Fischen und Korallen auf einmal ganz nah, winzige Details werden sichtbar. Absolut faszinierend. Es gibt eine solche Vielfalt, dass ich schon kurz nach dem Tauchgang nicht mehr aufzählen könnte, was ich alles gesehen habe. Erst drei Prozent der Meereswelt ist erforscht. Dieses kurze Video zeigt – vor allem in der letzten Szene, wie unglaublich diese Welt ist.

Bali ist ein globales Touristen-Epizentrum und so flüchten wir nach Lombok – eine Insel Richtung Osten und spüren schon auf der Fähre die Erleichterung. Und wir finden, was wir suchten: ruhige Landstraßen, schöne Natur, freundliche, neugierige Menschen.

Asians - so fascinating: they can sleep anywhere ;) ///// Es ist so faszinierend, Asiaten können einfach überall schlafen ;)

Asians – so fascinating: they can sleep anywhere 😉 ///// Es ist so faszinierend, Asiaten können einfach überall schlafen 😉

Auf der kleinen Insel Gede im Südwesten Lomboks entdecken wir einen abgelegenen Strand und ein verlassenes Dach aus vertrockneten Palmblättern. Ein Kokosnusshain im Rücken, das türkisblaue Meer vor uns. Robinson Crusoe lässt grüßen. Ich darf mich austoben. Bessere unsere Behausung aus, klettere auf eine Palme und kehre mit einer Kokosnuss und einigen Schrammen zurück. Wir gehen schnorcheln, kochen Gries und genießen das Abenteuerleben. Ein Lagerfeuer am Abend und über uns das gewaltige „50.000-Sterne-Zelt

Cycling around Gili Gede - beautiful beaches! ///// Wir radeln auf der Insel Gede umher und sehen viele schöne Strände

Cycling around Gili Gede – beautiful beaches! ///// Wir radeln auf der Insel Gede umher und sehen viele schöne Strände

Zurück auf Bali. Piter-James ist unser Gastgeber in Denpasar und etwa im gleichen Alter. Hier seine bewegendeLebensgeschichte: Alles beginnt als seine Mutter aus dem fernen Peru nach Osttimor reist (damals noch zu Indonesien gehörend), um als Krankenschwester bei einem Hilfsprogramm zu arbeiten. Hier lernte sie ihren Mann und den Vater von James kennen. Noch am gleichen Tag der Geburt starb sein Vater an einem Herzinfarkt. Sieben Monate später steckte sich seine Mutter mit einer ernsthaften Krankheit an und verstarb. Soviel weiß Piter-James aus ihren Tagebüchern. Der kleine James landete in einem Waisenhaus. Der Leiter, ein Niederländer, gab Piter-James seinen Namen und die offizielle Religionszugehörigkeit „Christ“. Eines Nachts kam ein Junge in den Schlafraum gestürmt und berichtete von einer analen Vergewaltigung des „christlichen“ Niederländers. Noch in der gleichen Nacht flohen der inzwischen siebenjährige James und sechs weitere Jungs aus dem Kinderheim. Sie rannten zum Hafen, versteckten sich auf einem Boot und kamen Tage später in Jakarta, der Hauptstadt, an. Vom Waisenkind zum Straßenkind.

Die Straße lehrte ihn Eigenständigkeit. Piter-James begann Brot zu backen, um es als fliegender Händler zu verkaufen. Dass die Geschichte hier nicht enden sollte, weiß man, wenn man den Titel seiner Ein-Mann-Bäckerei kennt: „Bread-Pit“. Piter-James ist ein kreativer und kluger Kopf. Mit anderen Straßenkindern bat er in einer Schule zum Unterricht zugelassen zu werden. Jeden Morgen vor Schulbeginn, backte er, um die Brötchen nach der Schule verkaufen zu können. Lehrer und Mitschüler unterstützten ihn. James kämpfte weiter, kämpfte für ein Stipendium und studierte schließlich Anthropologie. Durch einen Freund bekam er einen Job bei einem globalen Unternehmen für mobile Kommunikationsgeräte (Smartphones). Heute hat er sein eigenes Unternehmen und stellt Solar-Akkus her (hier seine homepage). Vom Straßenkind zum Unternehmer.

Jeder kann versuchen sich von der Geschichte berühren zu lassen, mitzufühlen und letztlich ein Gespür dafür zu entwickeln, was andere Menschen durchmachen. Um dann sein eigenes Leben zu betrachten, seinem Glück gewahr zu werden, seine Privilegien nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Dankbarkeit und Demut wären beispielsweise zwei Worte, die heute eher selten zu hören sind.

Der Taxifahrer, der uns mit den verpackten Rädern zum Flughafen bringt, scheint bewegt von unserer Geschichte und nimmt mich zum Abschied in den Arm! Ach Asien, diese menschlichen Überraschungen werden uns fehlen.

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Indonesien – Die Reiseradler von Java

Autor: Alex

Km 13861 – Melbourne, Australien

BANDUNG

Als wir in Bandung ankommen, stehen mehrere Reisefahrräder auf dem Hof der „community 108“. Auf eine solche Gemeinschaft sind wir in zwei Jahren nicht gestoßen. Hier, mitten in Indonesien auf der Insel Java, versteckt sich ein Gruppe von lokalen Radreisenden. Jeden Tag sind Leute auf dem Gelände, treffen sich, planen Touren, machen Musik, entspannen nach gemeinsamen Ausflügen. Ihre Reiseberichte erstrecken sich über ganz Indonesien. Der ein oder andere ist auch schon im Ausland getourt. Ein Hof, ein kleines Café und ein Raum speziell, um Radreisende zu beherbergen. Hier ein paar Bilder von Florian Schmale, der ebenfalls in Deutschland mit dem Rad losgefahren ist und den wir letztendlich in Australien “überholt” haben – aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Hier lernen wir auch Suci kennen. Sie studiert Umweltingenieurwesen und erzählt von einer Exkursion mit der Uni zur Müllkippe der Stadt. Deutlich spürt man die Aufgeregtheit der 20-jährigen, sie ringt nach Worten. Das, was sie dort gesehen hat, lässt sie nicht mehr los. Pro Tag werden aus der Großstadt Bandung 120 (in Worten einhundertzwanzig) Tonnen Müll angeliefert. Pro Tag! Suci sagt, dies sei das das größte Problem, das sie hier haben.

Ich bin beeindruckt, nicht nur von den Müllmassen. Sondern von ihrer Einstellung und ihrem Engagement. Sie ist gerade dabei eine Gruppe zu gründen, um Lösungen zu erarbeiten. Sie ist ein Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer, eine neue Generation. Es wird ein langer Kampf werden, aber Suci hat begonnen, hat den ersten Schritt gemacht. Weil die Entwicklung von innen kommt und nicht durch erhobenen Zeigefinger des Westens, habe ich Hoffnung.

Bandung - this time with Suci (on the right). This young lady stands for a new Indonesia for us, trying to motivate people to cycle more and to find a solution to the trash problem. Bandung - hier mit Suci (ganz rechts). Diese junge Frau ist unser persönlicher

Bandung – this time with Suci (on the right). This young lady stands for a new Indonesia for us, trying to motivate people to cycle more and to find a solution to the trash problem. Bandung – hier mit Suci (ganz rechts). Diese junge Frau ist unser persönlicher

OST-JAVA

Wir sind bescheidene Radler und schwimmen nicht im Strom des Massentourismus. Aber manchmal überschneiden sich die Reisegebiete und es kann für uns schwierig werden im Milieu der Protz-und-Prunk-Urlauber, die schnell und effizient die besten Photos schießen wollen. Dazu rufen sie: „Is ja alles so billisch hier, toll!“, obwohl sie gerade das 10-fache vom Normalpreis bezahlen.

Wir hatten inzwischen ein paar enttäuschende Erfahrungen mit Abzockern und es stimmt mich nachdenklich. In diesen Ecken der Welt steigt der Preis und gleichzeitig sinkt die Wertschätzung des menschlichen Gegenüber. Noch vor ein paar Tagen haben sie uns ständig gestoppt und wollten Photos. Hier nimmt keiner Notiz, strahlt nicht ungläubig, wenn wir in der Landessprache von unserer Reise berichten. Was macht der Massentourismus mit den Menschen, die hier leben? Lernen sie von den Touristen die Arroganz und Gier des Westens?…

Morgens um 6:00 Uhr mal wieder „Loom selvice! Coffee or tea?“ Aaarghh – wann kann man in diesem Land endlich mal schlafen?

Sunrise the next morning - the view is amazing we see Bromo and Senaru (vulcano behind) rising from a sea of clouds, really worth it to get up at 3 o'clock and climb in the dark. ///// Der Sonnenaufgang am nächtsen Morgen: Das Wolkenmeer, aus dem Bromo und Semaru (Vulkan dahinter) herausschauen ist wirklich beeindruckend und es war wert, um 3 Uhr nachts aufzustehen und im Dunkeln zum Aussichtspunkt zu wandern.

Sunrise the next morning – the view is amazing we see Bromo and Senaru (vulcano behind) rising from a sea of clouds, really worth it to get up at 3 o’clock and climb in the dark. ///// Der Sonnenaufgang am nächtsen Morgen: Das Wolkenmeer, aus dem Bromo und Semaru (Vulkan dahinter) herausschauen ist wirklich beeindruckend und es war wert, um 3 Uhr nachts aufzustehen und im Dunkeln zum Aussichtspunkt zu wandern.

VULKAN IJEN

Seit kurzem gibt es am Ijen-Vulkan ein doppeltes Preissystem für die Eintrittskarten. Ausländer zahlen den vielfachen Preis. Wir haben die Nase voll von diesen Methoden. Dabei geht es nicht ums Geld, sondern um einen globalen Trend. Einem Trend, der jeder Grenze (Visa), jedem Berg, jedem Strand, jedem Wassertropfen ein Preisschild umhängt.

Würde ein Schild am Eingang des Ijen hängen, das glaubhaft versichert, dass die massenhaften Eintrittsgelder in Schulen, Bildung, Sozialsysteme, Rentenversicherung und Demokratieförderung investiert werden, dann zahle ich gerne. Aber die Einnahmen verschwinden in den Taschen korrupter Machthaber. Riccardo, ein italienischer Reisender, fragte auf dem Gipfel, als er die Schwefelarbeiter sah: Warum arbeiten diese Menschen immer noch unter diesen Bedingungen, wenn hier doch soviel Geld von den Touris rangekarrt wird? Wieso bekommen die nicht einen kleinen Lastenaufzug? Die Arbeiter schleppen auf ihren Schultern ca. 50-70 Kilo (Angaben variieren) Schwefel vom Krater rauf und dann den Berg runter. Ich habe versucht einen der Doppelkörbe hochzustemmen und konnte das Ding nicht einen Millimeter bewegen. Ich weiß nicht, ob ich je eine härtere Arbeit und derart bizarre Arbeitsbedingungen gesehen habe. Auf 2400m Höhe stehen die Männer im Morgengrauen vor brennendem, blau leuchtendem Gas, eingehüllt von immensen hellgrauen Rauchschwaden. Sie lösen große, gelbe Schwefelbrocken mit einer Brechstange, laden die geflochtenen Körbe voll und beginnen den Abstieg.

Ijen - a sulfur worker. It is very hard work (the weight is 50-80kg) - very bad for the back and the knees. ///// Ijen - die Schwefelarbeiter leisten sehr harte Arbeit (ein Doppelkorb wiegt zwischen 50-80kg) sehr schlecht für Rücken und Knie.

Ijen – a sulfur worker. It is very hard work (the weight is 50-80kg) – very bad for the back and the knees. ///// Ijen – die Schwefelarbeiter leisten sehr harte Arbeit (ein Doppelkorb wiegt zwischen 50-80kg) sehr schlecht für Rücken und Knie.

BONDOWOSO

In Bondowoso lernen wir Jongki kennen. Er hat ein Fahrradgeschäft und hat früher längere Zeit in Australien gelebt. Dort hatte er drei Jobs. Zwei als Tellerwäscher und einen als Reinigungskraft in einem Hotel. Summa summarum eine 85 Stunden-Woche. Ein Migrant der die Sozialsysteme belastet? Für Jongki war es eine Chance Geld zu sparen und damit in der Heimat einen Radladen zu eröffnen. Jetzt strahlt er uns an und erzählt von seinem Traum die Welt mit dem Motorrad zu bereisen. Was die Indonesier in Australien sind, sind die Türken in Deutschland. Die Wirtschaft wächst und es werden Arbeitskräfte gebraucht. Menschen die anpacken. Menschen, die mit ihrem Schweiß und Blut das Land dahin gebracht haben, wo es heute ist. Hat da schon mal jemand öffentlich Danke gesagt?

Hier gibt es aktuelle FOTOS und die ROUTE (einfach auf das jeweilige Wort klicken)!

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